Vorwort

Wohl jeder DXer hat in seiner "DX-Karriere" Momente erlebt, die er als besonders bedeutsam ansieht, Highlights des Kurzwellenfernempfangs.
In nun fast 50 Jahren Kurzwellenempfang hat der Autor viele solche Augenblicke erlebt, Augenblicke die entscheidend waren betreff seiner jahrzehntelangen Liebe zu dem aussergewoehnlichen Hobby.

Was auch immer passierte, die Kurzwelle war immer da und auch die Lust des Autors auf das Hobby Rundfunkfernempfang. Wann immer sich eine Gelegenheit bot, erwarb er einen neuen Empfaenger und konnte nach einiger Zeit circa 70 Receiver (Rx) sein eigen nennen. Die Rx wurden ausprobiert und ihre Eigenschaften verglichen und macher wieder abgegeben und ein anderer erstanden. Jetzt im reifen Alter ist er immer noch am analogen Kurzwellenempfang interessiert, beschraenkt sich aber auf einen Kennwood R300, also back to the roots so wie es einmal angefangen hat in der Jugenzeit des Autors, wo ein baugleicher Receiver mit einem Langdraht ausgestattet, jederzeit empfangsbereit war. Damals waren die harmonischen QRG's, also Empfangsfrequenzen die dem doppelten oder vielfachen der Ausstrahlungsfrequenz entsprachen und ein Nebenprodukt normalen Kurzwellenausstrahlung waren, seine bevorzugten Stationen. Sie zu empfangen blieb ihm unvergessen, ebenso wie der Empfang der ersten Clandestine-Sender.

Erfolge bei solcher Suche waren die Motivation fuer das Hobby. Empfangsberichte wurden geschrieben und an die Radiostationen verschickt. Hilfe dabei fand er schliesslich 1973 in Wolf Harranths „DX-Vademecum“. Das Porto fuer die vielen Empfangsberichte zahlte der Grossvater und zu jedem Geburtstag und anderen Ereignissen mit Geschenke gab es stets nur einen Geschenkewunsch: Internationale Antwortscheine, die man den Empfangsberichten beilegte, damit man dem Kurzwellensender die Portokosten fuer die ersehnte QSL-Karte abnahm. So zieren heute fast tausend bunte QSL-Karten seinen Hausflur, die ervorzeigen konnte: aus Libyen mit dem Gaddafi-Konterfei, aus Uganda mit Idi Amin - Briefmarken, aus Liberia mit dem Stempel "ELWA", aus Bonaire mit dem typischen Bild des Flamingos, aus Brasilia mit grossen Sondermarken, aus Johannesburg mit mehreren "AirMail" -Aufklebern, aus Pjongjang nur gestempelt ohne Briefmarken, aus San Francisco mehrere Seiten  von KGEI, aus Mahe den grossen FEBA -Aufkleber, aus Bangladesh eine einfache Postkarte, aus Afghanistan ein Luftpostbrief, aus Amman die QSL des "Hashemite Kingdom", aus Windhoek, Suedwestafrika die Fotos mit deutschsprachigen Strassennamen und viele viele mehr. Kurz gesagt, das DX-Leben war jeden Tag neu und aufregend und wurde nach und nach zu einem wichtige Bestandteil seiner kleinen DX-Welt. Selbst die einfache Karte der Station OEY52 wurde als wichtig erachtet, handelte es sich doch um einen Armee-Versuchssender.

Nebenbei ergab sich im Schulfach Geographie eine erfreulich gute Note, Mitschueler begannen sich fuer das andere Geschlecht zu interessieren, den Autor interessierte das nicht, Tanzkurse waren auch nicht sein Ding, er kuemmerte sich intensiv um die Bauweise von Mittelwellen-Empfangsantennen und mit so einer Mittelwellen-Rahmenantenne war der Empfang von amerikanischen Stationen nicht mehr schwer. Die anderen Jungs spielten Fussball nur nicht Klaus, der blieb Zuhaus und half im elterlichen Ausflugslokal, um sich etwas Geld zu verdienen und dann weitere Literatur zur Kurzwelle zu kaufen. Ein Berufs-Praktikum diente nicht nur zur Berufsfindung, sondern zugleich zum Erwerb des ersten gebrauchen Grundig Trasistor Rx, es folgte ein Sony ICF6800W. Dieser RX hat den Autor viele Jahre treu begleitet und zahllose Stunden an Cassettenmitschnitten geschenkt. Die besten sind zu finden auf Youtube und Soundcloud, ein Teil davon wiederum in "RadioLegenden I" enthalten.
Die Zeiten haben sich geaendert, aber die Audio-Zeugnisse der Vergangenheit sind geblieben und zeigen dem interessierten Hobbyfeund eine faszinierende historische Welt der Kurzwelle.

Harald Gabler
RMRC – Vorsitzender
Rhein-Main-Radio-Club